Morgenandacht 25.05.2020

Wieder beginnen wir unsere neue Woche gemeinsam: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

 

Vor kurzem habe ich das Buch „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger gelesen. Die Hauptperson ist Joe, ein Londoner Investmentbanker, der ein Computerprogramm entwickelt, das in hochkomplexen ökonomisch-politischen Zusammenhängen Vorhersagen treffen kann.  Dieses Programm prognostiziert ihm irgendwann eine Menschheitskatastrophe: einen Zusammenbruch der Zivilisation durch eine Grippewelle. Die Gemeinschaft des kleinen Dorfes, in dem er im Laufe der Geschichte gestrandet ist, ist existentiell bedroht, so wie das ganze Land und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt und – wie wir ja mittlerweile auch wissen - es eben doch nicht egal ist, wenn in China ein Sack Reis umfällt.

 

Das Computerprogramm von Joe berücksichtigt alle möglichen Variablen, so fließt z.B. auch der Egoismus des Menschen als grundsätzliche Annahme mit ein. Die Geschichte bekommt eine Wendung, als die Menschen des kleinen Dorfes anfangen, sich als wirkliche Gemeinschaft verstehen, ihre egoistischen Interessen zurückstecken und beginnen, solidarisch zu denken und zu handeln.

 

In der Krise zeigt sich also, wer der einzelne Mensch wirklich ist, was ihn ausmacht, wo er seine Schwerpunkte setzt und welche Überzeugungen er um nichts in der Welt bereit ist, aufzugeben. Das ist auch bei uns heute, in der gegenwärtigen Realität so. In dieser schwierigen Pandemie-Situation müssen wir uns fragen, welches unsere Leitfäden als einzelner Mensch und auch als Gesellschaft sind, was der Grund ist, auf dem wir stehen, wer/was uns wirklich wichtig ist und was uns letztlich zusammenhält. Vielleicht käme dann auch bei uns Joe´s Computerprogramm aufgrund des völlig unlogischen Gut-Seins einzelner oder vieler Menschen an seine Grenzen.

 

 

Und so segne uns und alles, was wir in diese Woche denken und tun, der allmächtige Gott: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.“

 

Sr. Johanna Maria