Deutschlandweit dritter Platz beim E-Waste Race fürs Angela

„Wir hatten schon damit gerechnet, dass einige Schülerinnen und Schüler Elektroschrott mitbringen werden – aber mit diesen Mengen hatten wir definitiv nicht gerechnet“, sagt Lotta Corzelius, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Gesellschaft am Erzbischöflichen St.-Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel. Vom 19. Februar bis zum 19. März 2024 hatte ihre Schule am so genannten E-Waste Race teilgenommen. Bei diesem Projekt setzten sich Schülerinnen und Schüler von insgesamt zehn Schulen im Kreis Euskirchen aktiv mit dem Thema „Recycling“ und den Auswirkungen des Elektroschrott-Exports auf Entwicklungs- und Schwellenländer auseinander.

„Prinzipiell ist es egal, ob wir beim Wettbewerb Erster oder Letzter werden. Es geht schließlich darum, die Schulgemeinschaft auf die fatalen Bedingungen, die auf Elektroschrott-Deponien wie in der Stadt Accra in Ghana herrschen, aufmerksam zu machen und sie für eine fachgerechte Entsorgung zu sensibilisieren“, betont Hendrik Jansen. Georg Rütten ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Ganz egal war uns die Platzierung natürlich nicht – so ein Derbysieg gegen das andere Gymnasium in Bad Münstereifel macht einen natürlich auch stolz.“

Beide Schüler engagieren sich ebenfalls in der Nachhaltigkeits-AG des St.-Angela-Gymnasiums. Diese hat die Klasse 7c vier Wochen lang bei der Sammelaktion unterstützt. Initiiert wurde das Projekt vom gemeinnützigen Verein Das macht Schule aus Hamburg, die Schirmherrschaft wurde vom Kreis Euskirchen übernommen.

Bezüglich der Durchführung erklären die Schülerinnen Franziska Offermann und Jule Koll: „Frau Tordini vom Projektteam hat uns vor dem Beginn des Wettbewerbs in einer Unterrichtsstunde die Spielregeln erklärt. Dabei lernten wir, dass die Elektroschrottteile unterschiedlich viele Punkte einbringen – ein Monitor zum Beispiel mehr als ein Kabel. Die gesammelten Teile mussten wir dann online eintragen und Fotos als Belege abschicken. Wir konnten so immer einen Live-Punktestand einsehen und wussten, wie viel aktuell in den anderen Schulen gesammelt wurde.“

Dem St.-Angela-Gymnasium gelang es schließlich, am letzten Projekttag mit 5.306 Elektroteilen und 99.599 Punkten noch den zweiten Platz vom Franken-Gymnasium Zülpich, das Dritter wurde, zu übernehmen. Völlig verdient gewann die Marienschule Euskirchen mit 6.764 Teilen und 106.312 Punkten. Als großartige Idee des Projektteams wurde die Möglichkeit wahrgenommen Bonuspunkte einzusammeln. So konnten die Schulen Extra-Punkte sammeln, indem sie ein Projekttagebuch schrieben, gut erhaltene Teile online als Kleinanzeige einstellten und verschenkten oder defekte Elektrogeräte reparierten.

Um möglichst viele Menschen auf die problematischen ökologischen und sozialen Folgen nicht sachgemäßer Elektroschrott-Entsorgung aufmerksam zu machen, bestand ferner die Möglichkeit, Bonuspunkte durch selbst gedrehte YouTube-Videos zu erhalten. Beim Dreh zu „Auf den Spuren der Elektrohändler“ entdeckten die Schülerinnen Sophie Lenzen und Emily Mezler Ihre Affinität zum Schauspiel. Auch Benedikt Schöller, Mittelstufen-Koordinator und Nachhaltigkeitsbeauftragter der Schule, hatte Spaß daran, den skrupellosen – aber schließlich doch reumütigen – Elektroschrotthändler zu spielen.

Die Schulleiterin Carolin Neswadba resümiert: „Wir sind sehr stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler und bedanken uns ausdrücklich bei deren Familien, Nachbarn und Bekannten. Letztlich haben fast alle Klassen beim Sortieren und Dokumentieren der ausgedienten Elektroteile mitgeholfen – anders wären die angelieferten Mengen auch gar nicht zu bewältigen gewesen. Dieses Engagement zeigt, wie sehr sich die Kinder und Jugendlichen mit unserer Schule

identifizieren und welch tollen Gemeinschaftsgeist die Angelanerinnen und Angelaner nicht erst seit der Flutkatastrophe besitzen.“

Das aus den Niederlanden stammende E-Waste Race wurde in Deutschland nun zum 35. Mal durchgeführt. Mit 34.500 gesammelten Elektroteilen haben die zehn teilnehmenden Schulen im Kreis Euskirchen den Deutschlandrekord des Wettbewerbs geknackt. Die Marienschule sammelte dabei so viel Elektroschrott wie keine der 319 Schulen aus Deutschland je zuvor. Hinter der Waldschule Hünxe nimmt das St.-Angela-Gymnasium Bad Münstereifel nun deutschlandweit den dritten Platz ein – ein unfassbare Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten. Die gewonnenen 250 Euro werden in eine bunte Sitzecke auf dem Schulhof investiert – somit profitieren potenziell alle Schülerinnen und Schüler vom Gewinn.

Mit Blick auf die großen Mengen wurde den Initiatoren von Das macht Schule vorgeschlagen, die Gewinnerpunktzahl zukünftig nicht mit der Anzahl der Schülerinnen und Schüler einer einzigen angemeldeten Klasse zu verrechnen, sondern vielmehr die Gesamtschülerzahl der Schule als Kriterium zu berücksichtigen. Dann hätten auch die angemeldeten Grundschulen deutlich größere Chancen, auf den vorderen Plätzen zu landen.

Alle gesammelten Elektroteile wurden mittlerweile von der Entsorgungsfirma Schönmackers an den Schulen abgeholt. Sie werden nun ordnungsgemäß entsorgt und recycelt. Dadurch können viele Rohstoffe, welche anschließend fachgerecht in die Kreislaufwirtschaft zurückgelangen, gesichert werden. Die Elektroteile werden in jedem Fall nicht illegal exportiert. Auf diese Weise wird verhindert, dass sie auf Mülldeponien in den Ländern des Südens an offenen Feuern „verarbeitet“ werden und toxische Stoffe weder in die Atmosphäre, die Böden oder das Grundwasser noch in die Lungen der im Umfeld der Deponien lebenden Menschen gelangen.

 

Für das St.-Angela-Gymnasium

Benedikt Schöller, Nachhaltigkeitsbeauftragter

 

 

 

St.-Angela meets Mandacaru

Noch vor dem ersten offiziellen Treffen der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltige Gesellschaft“ bot sich für uns die großartige Chance, zwei Mitarbeiter unserer Partnerschule in Brasilien – der Ecoescola Thomas à Kempis – persönlich kennenzulernen und sich mit ihnen hinsichtlich des von unserer Schulgemeinschaft geförderten Bildungsprojektes zu unterhalten.

Neto und Uchôa berichteten eindrücklich davon, dass sich das Centro Formação Mandacaru de Pedro Secundo besonders dafür einsetzt, den in der Region lebenden Jugendlichen praktisches Wissen zum Ackerbau und zur Viehzucht zu vermitteln. Anders als in Deutschland habe der primäre Wirtschaftssektor –insbesondere die Landwirtschaft – in vielen Gebieten im Nordosten Brasiliens eine ökonomisch herausragende Bedeutung und er werde auch zukünftig die dortige Wirtschaft prägen. Die Bewirtschaftung des Bodens bzw. die Viehhaltung sei jedoch nicht einfach, da die vier- bis fünfmonatige Regenzeit ohnehin schon Schwierigkeiten mit sich bringe und die Niederschläge in Zeiten des anthropogenen Klimawandels immer unregelmäßiger ausfallen würden.

Unsere brasilianischen Gäste zeigten uns in diesem Kontext, wie die Schülerinnen und Schüler an der Ökoschule zum Beispiel in Vieh- und Bienenzucht, aber auch in Acker- und Gartenbau unterrichtet werden. Sehr wichtig sei auch ein Zisternenprojekt, das sowohl der Schule als auch vielen privaten Haushalten der Gemeinde das Gewinnen und Speichern des in der Regenzeit anfallenden Niederschlages ermögliche.

Großes Erstaunen lösten bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der AG die Bilder des Transports der Schülerinnen und Schüler aus. Neto und Uchôa betonten, dass es keine Seltenheit sei, die Kinder und Jugendlichen auf der Ladefläche von Pick-Ups zur Schule zu bringen. Auch die Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler sich fast ausschließlich von den selbst angebauten Produkten ernähren und das Kochen sowie den Abwasch in der Schulmensa zu großen Teilen selbst organisieren, wurde als sehr positiv wahrgenommen.

Uns allen wurde deutlich vor Augen geführt, welches Luxusleben wir in Deutschland führen und dass unsere Alltagsprobleme im Vergleich zu denjenigen in den peripheren Gebieten Brasiliens in der Regel als sehr geringfügig einzustufen sind.

Insbesondere auf Grund des Umstandes, dass der Klimawandel die ohnehin schon schwierigen Anbaubedingungen bereits gegenwärtig noch komplexer gestaltet, möchte sich die Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltige Gesellschaft“ in unserer Schulgemeinschaft dafür einsetzen, das Projekt Mandacaru auch weiterhin finanziell zu unterstützen und für die Menschen vor Ort auf diese Weise Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Wir haben Uchôa und Neto verdeutlicht, dass wir uns neben dem Engagement für die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Bildungszentrum in Pedro Secundo in den kommenden Monaten und Jahren im Rahmen von Schulprojekten für sozial gerechtere und umweltverträglichere Lebens- und Arbeitsformen stark machen werden. Dabei wollen wir die Schulgemeinschaft vor allem für die Auswirkungen unserer Essgewohnheiten, unseres Kaufverhaltens in puncto Kleidung sowie unseres Wegwerfverhaltens sensibilisieren. Ferner möchten wir Vorschläge zur Neugestaltung unseres Schulgeländes einbringen. Dabei werden wir uns dafür einsetzen, dass es einige naturnahe Bereiche geben wird, die einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen können. Außerdem möchten wir Möglichkeiten eines Teilumstiegs auf erneuerbare Energieversorgung ausloten.

Die Brasilianer waren sehr beeindruckt, dass sich Menschen schon in so jungen Jahren für die Umwelt einsetzen und sie durch ihr Engagement auch Menschen am anderen Ende der Welt helfen möchten.

Wir wünschen den beiden und ihren Mitstreitern für die Zukunft alles Gute und freuen uns darauf, ihnen beim nächsten Besuch das neugestaltete Außengelände der Schule präsentieren zu können. Interessierte finden nähere Infos unter https://cf-mandacaru.org/deutsch/.

Für die AG „Nachhaltige Gesellschaft“, Benedikt Schöller