St.-Angela meets Mandacaru

Noch vor dem ersten offiziellen Treffen der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltige Gesellschaft“ bot sich für uns die großartige Chance, zwei Mitarbeiter unserer Partnerschule in Brasilien – der Ecoescola Thomas à Kempis – persönlich kennenzulernen und sich mit ihnen hinsichtlich des von unserer Schulgemeinschaft geförderten Bildungsprojektes zu unterhalten.

Neto und Uchôa berichteten eindrücklich davon, dass sich das Centro Formação Mandacaru de Pedro Secundo besonders dafür einsetzt, den in der Region lebenden Jugendlichen praktisches Wissen zum Ackerbau und zur Viehzucht zu vermitteln. Anders als in Deutschland habe der primäre Wirtschaftssektor –insbesondere die Landwirtschaft – in vielen Gebieten im Nordosten Brasiliens eine ökonomisch herausragende Bedeutung und er werde auch zukünftig die dortige Wirtschaft prägen. Die Bewirtschaftung des Bodens bzw. die Viehhaltung sei jedoch nicht einfach, da die vier- bis fünfmonatige Regenzeit ohnehin schon Schwierigkeiten mit sich bringe und die Niederschläge in Zeiten des anthropogenen Klimawandels immer unregelmäßiger ausfallen würden.

Unsere brasilianischen Gäste zeigten uns in diesem Kontext, wie die Schülerinnen und Schüler an der Ökoschule zum Beispiel in Vieh- und Bienenzucht, aber auch in Acker- und Gartenbau unterrichtet werden. Sehr wichtig sei auch ein Zisternenprojekt, das sowohl der Schule als auch vielen privaten Haushalten der Gemeinde das Gewinnen und Speichern des in der Regenzeit anfallenden Niederschlages ermögliche.

Großes Erstaunen lösten bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der AG die Bilder des Transports der Schülerinnen und Schüler aus. Neto und Uchôa betonten, dass es keine Seltenheit sei, die Kinder und Jugendlichen auf der Ladefläche von Pick-Ups zur Schule zu bringen. Auch die Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler sich fast ausschließlich von den selbst angebauten Produkten ernähren und das Kochen sowie den Abwasch in der Schulmensa zu großen Teilen selbst organisieren, wurde als sehr positiv wahrgenommen.

Uns allen wurde deutlich vor Augen geführt, welches Luxusleben wir in Deutschland führen und dass unsere Alltagsprobleme im Vergleich zu denjenigen in den peripheren Gebieten Brasiliens in der Regel als sehr geringfügig einzustufen sind.

Insbesondere auf Grund des Umstandes, dass der Klimawandel die ohnehin schon schwierigen Anbaubedingungen bereits gegenwärtig noch komplexer gestaltet, möchte sich die Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltige Gesellschaft“ in unserer Schulgemeinschaft dafür einsetzen, das Projekt Mandacaru auch weiterhin finanziell zu unterstützen und für die Menschen vor Ort auf diese Weise Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Wir haben Uchôa und Neto verdeutlicht, dass wir uns neben dem Engagement für die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Bildungszentrum in Pedro Secundo in den kommenden Monaten und Jahren im Rahmen von Schulprojekten für sozial gerechtere und umweltverträglichere Lebens- und Arbeitsformen stark machen werden. Dabei wollen wir die Schulgemeinschaft vor allem für die Auswirkungen unserer Essgewohnheiten, unseres Kaufverhaltens in puncto Kleidung sowie unseres Wegwerfverhaltens sensibilisieren. Ferner möchten wir Vorschläge zur Neugestaltung unseres Schulgeländes einbringen. Dabei werden wir uns dafür einsetzen, dass es einige naturnahe Bereiche geben wird, die einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen können. Außerdem möchten wir Möglichkeiten eines Teilumstiegs auf erneuerbare Energieversorgung ausloten.

Die Brasilianer waren sehr beeindruckt, dass sich Menschen schon in so jungen Jahren für die Umwelt einsetzen und sie durch ihr Engagement auch Menschen am anderen Ende der Welt helfen möchten.

Wir wünschen den beiden und ihren Mitstreitern für die Zukunft alles Gute und freuen uns darauf, ihnen beim nächsten Besuch das neugestaltete Außengelände der Schule präsentieren zu können. Interessierte finden nähere Infos unter https://cf-mandacaru.org/deutsch/.

Für die AG „Nachhaltige Gesellschaft“, Benedikt Schöller